Kopfhörer, die nicht im Gehörgang stecken, sondern sich ans Ohr klemmen? Klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber im Alltag erstaunlich gut. Die soundcore AeroClip 2 von Anker setzen genau auf dieses Prinzip – und wer einmal damit durch die Stadt gelaufen ist, während gleichzeitig Radfahrer, Autos und Straßenbahnen hörbar bleiben, will das offene Tragegefühl schnell nicht mehr missen.
Der Clip-Mechanismus ist das Herzstück des Designs. Statt mit einem Bügel über dem Ohr oder einem Stöpsel im Kanal zu arbeiten, schmiegen sich die AeroClip 2 wie eine Art Ohrring um die Ohrmuschel. Das hält nicht nur beim gemütlichen Joggen, sondern auch bei schnelleren Trainingseinheiten – Burpees, Sprints, Ruckel-Runden auf unebenem Asphalt. Nichts wackelt, nichts drückt. Und weil der Gehörgang frei bleibt, entsteht dieses beklemmende Druckgefühl erst gar nicht, das man von In-Ears nach zwei Stunden kennt.
Überraschend stark schlagen sich die Kopfhörer bei der Telefonie. Anker verbaut einen Thus-KI-Chip, der Störgeräusche aus dem Sprachsignal filtert. Im Test sorgte das dafür, dass der Gesprächspartner auch an einer befahrenen Straße verstand, was man sagt – Windböen inklusive. Wer beruflich viel unterwegs telefoniert, dürfte genau das zu schätzen wissen. Die eigene Stimme klingt dabei nicht blechern oder abgehackt, wie es bei mancher günstigeren Freisprechelektronik der Fall ist.
Für Spieler gibt es einen dedizierten Gaming-Modus. Er drückt die Latenz spürbar nach unten, sodass Bild und Ton nicht mehr auseinanderlaufen – bei Shootern oder Rhythm Games macht das den Unterschied zwischen Treffer und Frust. Aktiviert wird er über die App, die auch sonst ein paar sinnvolle Einstellmöglichkeiten bietet.
Natürlich hat das Open-Ear-Konzept seine Grenzen. Wer in der U-Bahn in voller Lautstärke Podcasts hören will, kämpft gegen die Umgebung – die Bauweise schluckt eben keinen Lärm, das ist Konstruktionsprinzip und kein Defekt. Und bei maximaler Lautstärke hören unmittelbare Sitznachbarn durchaus mit, was gerade läuft. Im stillen Büro also lieber eine Stufe leiser drehen.
Der Klang selbst orientiert sich am offenen Charakter: luftig, eher auf Mitten und Höhen ausgelegt, mit Bass, der sich nicht aufdrängt. Für Rock und elektronische Musik reicht das locker, wer auf wummernde Bäume steht, sollte ohnehin zu In-Ears greifen. Die AeroClip 2 verstehen sich eher als Sport- und Alltagsbegleiter denn als audiophile Referenz – und in dieser Rolle machen sie erstaunlich wenig falsch. Bleibt die Frage, ob Anker mit dem nächsten Modell auch den Bass noch ein Stück anhebt, ohne die Offenheit zu opfern.






