Sensation unter der Poebene: Forscher finden Süßwassersee so groß wie den Gardasee

Ein Fund, der selbst erfahrene Geologen staunen lässt: Unweit von Venedig haben Forscher ein unterirdisches Süßwasservorkommen entdeckt, dessen Ausmaße an den Gardasee heranreichen. Verborgen tief unter der Erdoberfläche, mitten in einer der wasserreichsten – und zugleich klimageschädigtsten – Regionen Italiens.

Die Entdeckung kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Denn während Venedig nach außen hin vor allem mit dem Wasser seiner Lagune assoziiert wird, mit Gondeln und Acqua alta, kämpft das Hinterland der Region immer häufiger mit Trockenheit. Die Poebene, Italiens Kornkammer, hat in den vergangenen Jahren wiederholt dramatische Dürren erlebt. Bauern verloren Ernten, Flüsse fielen auf historische Tiefstände, und selbst die Alpen lieferten wegen fehlender Schneedecke kaum Schmelzwasser nach.

Ein unterirdischer Speicher von dieser Größe könnte daher mehr sein als eine geologische Kuriosität. Er ist potenziell ein strategischer Schatz. Während Oberflächenwasser in Hitzewellen verdunstet und Flüsse versiegen, bleibt Wasser in tiefen Bodenschichten weitgehend unberührt – ein natürlicher Puffer gegen Klimakrisen, der seit Jahrtausenden unentdeckt dort lag.

Freilich wirft der Fund auch Fragen auf. Wie schnell füllt sich so ein Reservoir wieder auf, wenn man es anzapft? Wer darf es nutzen – Landwirtschaft, Industrie, die Trinkwasserversorgung? Und welche Risiken birgt eine Förderung, etwa durch Bodenabsenkungen in einer Region, die ohnehin mit dem Meeresspiegel ringt? Venedig selbst weiß aus bitterer Erfahrung, was passiert, wenn man dem Untergrund zu viel Wasser entzieht: Die Grundwasserpumpen der Industrie in Marghera ließen die Stadt in den 1950er und 60er Jahren spürbar absinken.

Ob der neu entdeckte See tatsächlich künftige Wasserkrisen abmildern kann, müssen nun weitere Untersuchungen klären. Eines steht aber bereits fest: Unter einer der bekanntesten Städte der Welt lag die ganze Zeit eine verborgene Landschaft – und die könnte im Kampf gegen die Trockenheit bald eine ganz eigene Rolle spielen.