Winzig, grün, voller Vitamin C: Die Kiwibeere erobert deutsche Gärten

So groß wie eine Weintraube, glatt grün und ohne den typischen Flaum: Die Kiwibeere sieht auf den ersten Blick aus wie eine kleine grüne Olive. Wer sie aufschneidet, findet im Inneren das vertraute Bild – winzige schwarze Kerne, sattes Grün, saftig-süßes Fruchtfleisch. Nur die Schale muss niemand ablösen. Einfach abbeißen, fertig.

Genau diese Bequemlichkeit treibt Hobbygärtner in ganz Deutschland dazu, sich die rankende Pflanze an die Fassade oder über die Pergola zu holen. Botanisch heißt sie Actinidia arguta, die Strahlenkiwi oder Scharfzähnige Strahlengriffel – ein Name, den sich glücklicherweise niemand merken muss. Und anders als ihre pelzige Verwandte aus dem Supermarkt verträgt sie unsere Winter problemlos. Manche Sorten überstehen Temperaturen bis minus 30 Grad, was sie auch für Sachsen, Bayern oder Brandenburg interessant macht. In Chemnitz und Umgebung wächst sie längst in unzähligen Kleingärten.

Doppelt profitiert, wer eine weibliche und eine männliche Pflanze setzt – denn nur so gibt es Früchte. Die Ranken schießen allerdings ordentlich in die Höhe: Wer die Pflanze an einer Spalierhilfe am Zaun zieht, bekommt innerhalb weniger Jahre einen dichten Sichtschutz, unter dem es sich im Sommer angenehm schattig sitzt. Nachbarn fragen regelmäßig, was da für exotisches Zeug über den Zaun quillt. Eine gute Frage – die meisten kennen die Frucht nicht mal aus dem Regal.

Dabei schmeckt die Kiwibeere überraschend intensiv: süßer als die große Kiwi, mit einem leichten Aroma, das an Feigen oder Zitronen erinnert. Vitamintechnisch schlägt sie fast alles in der heimischen Obstliste – auf 100 Gramm kommt sie auf einen Vitamin-C-Gehalt, der selbst Orangen in den Schatten stellt. Vorsicht bei der Ernte: Die Beeren reifen nahezu gleichzeitig und halten sich am Strauch nicht ewig. Wer zu spät pflückt, findet matschige Reste. Rechtzeitig geerntet – meist Ende September bis Ende Oktober – lagern sie im Kühlschrank einige Tage und eignen sich wunderbar für Marmelade, Smoothies oder einfach zum Naschen direkt vom Busch.

Und die Pflege? Bescheiden. Regelmäßig gießen im Sommer, im Frühjahr ein kräftiger Rückschnitt, damit die Ranken nicht alles ersticken – mehr braucht die Pflanze kaum. Schädlinge melden sich selten. Selbst der laienhafteste Gärtner kriegt sie zum Fruchten. Das einzige echte Problem könnte die Suchtgefahr sein: Wer einmal anfängt, pflanzt oft gleich drei Sorten hintereinander.