38 Enden und eine Sprachbarriere: Das Steam-Phänomen, das fast niemand hierzulande spielen konnte

Manchmal reicht ein Blick auf die Steam-Charts, um sich zu wundern. Da thronte 2025 ein narrative geprägtes Spiel an der Spitze, von dem hierzulande kaum jemand je gehört hatte – geschweige denn, dass man es hätte spielen können. Denn was die Verkaufszahlen betrifft, war der Titel ein Riesenerfolg. Für Spielerinnen und Spieler in Deutschland blieb er allerdings lange ein verschlossenes Buch: schlicht deshalb, weil es keine Übersetzung gab.

Dabei hat das Spiel ein Versprechen, das Neugier weckt. Ganze 38 unterschiedliche Enden soll es geben – je nachdem, welche Entscheidungen man unterwegs trifft, verzweigt sich die Geschichte in immer neue Richtungen. Wer sich einmal festbeißt, will wissen, wie die anderen Wege aussehen. Genau diese Mechanik macht solche Story-Spiele so gefährlich für den eigenen Schlafryhthmus. Ein Durchgang? Schön wär’s. Man startet eigentlich immer gleich noch einmal.

Das Problem war nur: Wer des Landes nicht mächtig war, in dem das Spiel ursprünglich veröffentlicht wurde, schaute in die Röhre. Schätzungsweise 99 Prozent der hiesigen Spielerschaft konnten mit dem Hype schlicht nichts anfangen – nicht aus Desinteresse, sondern weil ihnen die Sprache im Weg stand. Ein seltsames Gefühl: Da läuft die Steam-Community heiß, Videos und Diskussionen schießen aus dem Boden, und man selbst steht draußen vor der Tür wie bei einer Party, zu der man nicht eingeladen wurde.

Inzwischen hat sich die Lage geändert. Die Übersetzung ist da – und mit ihr die Chance, nachzuholen, was die Spielerschaft anderswo schon längst begeistert hat. Ob der Titel den eigenen Hype überhaupt einlösen kann? Zumindest die Zahl der Enden spricht für sich: Wer wirklich alle 38 Varianten sehen will, dürfte eine ganze Weile beschäftigt sein.

Der Fall wirft ohnehin eine Frage auf, die 2025 drängender ist denn je: Wie viele Hits entstehen gerade abseits des westlichen Radars, ohne dass wir es merken? Steam ist längst ein globaler Marktplatz, aber die Sprachbarriere sorgt dafür, dass Erfolge manchmal monatelang an uns vorbeirauschen – bis plötzlich jemand die Charts anführt und alle fragen: Wo kam der denn her?

Für dieses Spiel jedenfalls ist die Zeit des Wartens vorbei. Wer Lust auf verzweigte Geschichten hat, kann jetzt selbst herausfinden, welches der 38 Enden wohl das beste ist – oder das bitterste.