Teurer Werkstattbesuch: Chinesische Autos holen bei Reparaturkosten auf

Ein Blechschaden, ein zersplitterter Scheinwerfer, ein ramponierter Stoßfänger – was nach einem Auffahrunfall auf dem Hof der Werkstatt landet, sagt inzwischen viel über die globale Autoindustrie aus. Der bisherige Preisvorteil chinesischer Hersteller bei Reparaturen schwindet. Das jedenfalls zeigen aktuelle Analysen des Allianz-Zentrums für Technik, und sie dürften manchen Fahrzeughalter spätestens bei der nächsten Versicherungsrechnung kalt erwischen.

Lange galt die Faustregel: Wer ein chinesisches Auto fährt, zahlt im Schadensfall weniger. Günstige Ersatzteile, einfache Bauweise – das machte die Fahrzeuge attraktiv, gerade für preisbewusste Käufer. Doch die Rechnung stimmt immer seltener. Chinesische Marken, die in Europa auf Marktanteile drängen, schicken zunehmend technisch aufwendigere Modelle ins Rennen. Mehr Sensoren, mehr Elektronik, komplexere Karosserien. Und das treibt die Kosten nach oben.

Parallel dazu lässt ausgerechnet Europa nach. Die etablierten Hersteller aus Deutschland, Frankreich oder Schweden waren bei der Reparaturfreundlichkeit lange vorn – doch dieser Vorsprung schmilzt, wie die Untersuchung nahelegt. Ob bei der Verfügbarkeit von Teilen, den Arbeitszeiten in der Werkstatt oder der Konstruktion: Der Abstand zwischen Ost und West wird kleiner, und zwar aus beiden Richtungen gleichzeitig.

Für den einzelnen Halter hat das eine handfeste Konsequenz: Reparaturen werden teurer, egal ob der Wagen aus Wolfsburg oder aus Shenzhen stammt. Wer sich für ein vermeintlich günstiges E-Auto aus Fernost entscheidet, könnte sich über die Folgekosten wundern. Denn ein kaputter Frontbereich voller Kameras und Radarsysteme kostet heute schnell so viel wie früher ein halber Kleinwagen – ein erfahrener Kfz-Gutachter wird bestätigen, dass schon ein kleiner Parkrempler am Heck vierstellige Summen verschlingen kann, wenn die Parkassistenten betroffen sind.

Die Versicherer beobachten die Entwicklung mit Argusaugen. Steigende Reparaturkosten schlagen sich nämlich früher oder später in den Prämien nieder. Schon jetzt ächzt die Branche unter den Ausgaben für Schäden, und die Aufholjagd der Chinesen dürfte diesen Trend eher verstärken als bremsen. Auch Werkstätten spüren den Druck: Neue Marken bedeuten neue Technik, neue Schulungen, neue Diagnosegeräte – Investitionen, die irgendjemand bezahlen muss.

Am Ende bleibt eine Ironie, die man kaum übersehen kann: Chinas Autobauer wurden einst dafür belächelt, billig zu bauen. Jetzt bauen sie teuer – und teuer im Schadensfall. Ob die europäischen Hersteller ihre verbleibenden Vorteile noch verteidigen können, ist offen. Sicher ist nur, wer die Rechnung am Ende zahlt: der Kunde an der Werkstattkasse.