Die Zahlen lassen aufhorchen. Im September rollten in Deutschland fast doppelt so viele reine Elektroautos auf die Straßen wie noch im gleichen Monat des Vorjahres – und damit ist mittlerweile jeder dritte Neuwagen ein Stromer. Wer auf den Autobahnen und in den Innenstädten aufmerksam hinschaut, sieht den Wandel längst mit eigenen Augen: Ladesäulen, an denen sich abends kleine Schlangen bilden, und das leise Surren, das den klassischen Motorklang zunehmend verdrängt.
Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung des Marktanteils. Die Elektroautos schließen nun fast zu den Hybridfahrzeugen auf, die lange als die vernünftige Übergangslösung für Zögerliche galten. Offenbar trauen sich immer mehr Käufer den kompletten Umstieg zu, statt auf den technischen Kompromiss zwischen Benziner und Batterie zu setzen. Die Reichweitenangst? Sie scheint zu bröckeln.
Von der wachsenden Nachfrage profitieren allerdings nicht alle Hersteller gleichermaßen. An der Spitze der Gewinner steht Tesla, dessen Fahrzeuge trotz aller Diskussionen um den Konzern und seinen Chef weiterhin reißenden Absatz finden. Noch bemerkenswerter ist der Vormarsch der chinesischen Anbieter. Marken, die vor fünf Jahren kaum jemand in Deutschland aussprechen konnte, mischen den Markt kräftig auf – mit attraktiven Preisen und einer Ausstattung, bei der mancher etablierter Hersteller blass aussieht.
Für die deutschen Autobauer ist das eine doppelte Herausforderung. Einerseits zeigen die Zulassungszahlen, dass ihre Heimatkunden durchaus bereit sind, auf Elektromobilität umzusteigen. Andererseits fließt ein wachsender Teil dieser Nachfrage in die Kassen ausländischer Konkurrenten. Die Frage, ob Wolfsburg, München und Stuttgart beim wichtigsten Umbau der Branche mithalten können, stellt sich damit drängender denn je.
Dabei bleibt abzuwarten, ob der September ein Strohfeuer war oder der Beginn eines dauerhaften Trends. Preissenkungen, neue Modelle und eine langsam besser werdende Ladeinfrastruktur sprechen für Letzteres. Die Verbrenner-Ära jedenfalls neigt sich sichtbar dem Ende zu – schneller, als viele es noch vor zwei Jahren für möglich gehalten hätten.






