Lange Schlangen, volle Mülleimer: Wie der Açaí-Boom die Berger Straße verändert

Wer an einem sonnigen Nachmittag über die Berger Straße in Bornheim schlendert, muss geduldig sein. Vor den Läden, die Smoothies und Bowls mit der Açaí-Beere verkaufen, drängen sich Schüler und junge Erwachsene in langen Schlangen. Manche warten eine Viertelstunde und länger auf den lilafarbenen Brei, der auf TikTok und Instagram längst Kultstatus erreicht hat. Für die Betreiber ein Segen. Für viele Anwohner inzwischen eine Zumutung.

Das eigentliche Problem liegt nicht in der Warteschlange selbst. Es liegt auf dem Boden davor. Leere Becher, Plastiklöffel, halb gegessene Bowls – die Hinterlassenschaften der Kundschaft verteilen sich rund um die Lokale, oft meterweit. Die öffentlichen Mülleimer, die noch aus einer Zeit stammen, als die Berger Straße vor allem für ihre Apfelweinwirtschaften bekannt war, sind binnen Stunden überfüllt. Wer hier wohnt, kennt das Bild: Pappbecher klemmen zwischen Pflastersteinen, Reste von Toppings ziehen Wespen an, und der Wind verteilt Servietten über die Gehwege.

Açaí gilt als Superfood, die Beere aus dem Amazonasgebiet soll gesund sein und wird gern mit Granola, Bananen und Erdnussmus angerichtet. Genau diese Zutaten machen den Abfall so hartnäckig – klebrige Reste, die sich nicht einfach wegkehren lassen. Die Stadtreinigung kommt mit dem Leeren der Tonnen kaum hinterher, und einzelne Geschäfte bemühen sich nach Angaben von Anwohnern nur mäßig darum, den Bereich vor der eigenen Tür sauber zu halten.

Dabei könnte die Lösung so simpel sein. Mehr Mülleimer, Pfandsysteme für die Becher, eigenes Reinigungspersonal der Läden – all das würde helfen. Doch bislang fehlt offenbar die Koordination. Während die einen auf die Stadt verweisen, sehen andere die Ladenbetreiber in der Pflicht. Die Jugendlichen, um die es geht, interessiert der Streit wenig. Sie fotografieren ihre Bowls, posten sie, essen weiter.

Die Berger Straße hat schon einige Trends überlebt. Vor Jahren waren es die Frozen-Yogurt-Läden, die teils wieder verschwanden, als der Hype nachließ. Fraglich bleibt, ob es bei Açaí ähnlich läuft – oder ob die Beere gekommen ist, um zu bleiben. Bis dahin bleibt den Anwohnern nur die Hoffnung, dass sich jemand um den Berg aus Bechern kümmert, der jeden Nachmittag aufs Neue entsteht.