Wer auf der Frankfurter Buchmesse feiern will, kommt an ihm nicht vorbei. Axel Eisenbeis steht seit Jahren vor den Türen, an denen sich die Verlagswelt drängelt – im Literaturhaus, früher auch bei der legendären Rowohlt-Party. In der Szene kennt man ihn unter einem anderen Namen: „Der Schulz“. Ein Spitzname, der klingt wie ein Verheißung und eine Drohung zugleich.
Sein Job? Klingt simpel, ist es nicht. Hinauslassen, hineinlassen, aussortieren. Doch auf der Buchmesse funktioniert das anders als vor einem Techno-Club. Hier stehen keine feierwütigen Zwanzigjährigen Schlange, sondern Autorinnen, Agenten, Lektoren – Menschen, die es gewohnt sind, gehört zu werden. Wer nicht auf der Liste steht, versucht es mit Charme, mit Visitenkarten, mit dem berühmten Satz „Ich kenne da jemanden“. Eisenbeis hat das alles schon gehört.
Die Buchmesse ist ohnehin ein eigenes Universum. Tagsüber Kaffeepausen und Vertragsgespräche, abends Verwandlung: Dann wird geprostet, genetztwerkt, geschauspielert. Und vor jeder guten Party steht eben jemand, der entscheidet. In ist, wer drin ist – diese alte Weisheit der Szene gilt hier ganz wörtlich. Wer es nicht schafft, bleibt draußen auf dem Trottoir stehen und schaut durchs Glas.
Dass ausgerechnet ein Türsteher zu den bekanntesten Gesichtern des Messe-Randprogramms zählt, sagt viel über die Branche. Literatur mag elitär wirken, ihre Feste sind es auch. Nur dass der Zutritt hier nicht über einen Doktortitel läuft, sondern über den Blick eines Mannes, der abschätzen muss, ob der Saal noch fünf Gäste verträgt oder schon jetzt am Limit flimmert. Feuerwehrauflagen kennen keine prominenten Nachnamen.
Eisenbeis selbst macht daraus keine große Sache. Er steht da, Jahr für Jahr, während sich Autorenkarrieren drinnen aufblähen und wieder verflachen. Manche, die er vor zehn Jahren abgewiesen hat, kommen heute mit eigenem Einladungsaufkommen – und nicken ihm zu. Andere bleiben die ewigen Wartenden. Die Messe vergisst schnell. Türsteher nicht.
Am Ende der Messetage, wenn die Stände abgebaut werden und der Sektkorken-Geruch verfliegt, bleibt eine Gewissheit: Nächstes Jahr wird wieder gedrängelt, gebettelt, verhandelt. Und irgendwo vor einer Tür wird ein Mann stehen, den alle nur „Der Schulz“ nennen – und der darüber entscheidet, wer diesmal zur Literatur dazugehört.






