Die Weihnachtssaison steht vor der Tür, doch die Kauflust bleibt aus. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Verbraucher erwarten steigende Preise und halten ihre Geldbeutel fest. Der Einzelhandel reagiert alarmiert. Nach Jahren des Booms droht zum Jahresende eine Durststrecke.
Besonders bemerkenswert ist die Nervosität in den Innenstädten. Während sonst um diese Zeit die Einkaufsstraßen voll sind und Menschen mit prall gefüllten Taschen flanieren, wirken viele Ladengeschäfte derzeit merklich leerer. Der Grund liegt auf der Hand: Verbraucher sind verunsichert. Sie sehen die Preissteigerungen in den Regalen, fürchten weitere Teuerungen und verringern ihre Ausgaben präventiv. Das ist rational kalkuliert, schadet dem Handel aber massiv.
Besonders hart trifft es kleinere Einzelhandelsketten, die weniger finanzielle Rücklagen haben als Großkonzerne. Viele Geschäftsführer berichten von Umsatzrückgängen im zweistelligen Bereich gegenüber dem Vorjahr. Manche senken bereits ihre Bestellmengen für die nächsten Wochen, weil sie fürchten, mit Ware sitzenbleiben zu könnten. Ein Teufelskreis: Weniger Angebot führt zu höheren Preisen, was Verbraucher wiederum abhält zu kaufen.
Die Probleme reichen über den Einzelhandel hinaus bis in die Industrie. Fabrikhallen fahren Produktion zurück, weil die Nachfrage stockt. Exportgespräche werden verschoben. Unternehmen berichten von Stornierungen, die in dieser Jahreszeit sonst kaum vorkommen. Manche Branchen haben bereits mit ersten Kurzarbeit-Ankündigungen reagiert.
Was aber unterscheidet diese Krise vom bloßen Inflationsjammer früherer Jahre? Diesmal geht es nicht nur um Geldknappheit. Verbraucher haben gelernt, dass Sparen jetzt wichtiger ist als Konsum. Die psychologische Komponente ist mindestens so entscheidend wie die ökonomische. Menschen fragen sich: Soll ich wirklich diesen Pullover kaufen, wenn die Heizkosten nächsten Winter noch weiter steigen könnten?
Experten warnen vor Schnellschüssen. Noch ist nicht aller Tage Abend — der Dezember hat gerade begonnen. Doch die Chancen auf ein rettendes Weihnachtswunder schrumpfen täglich. Manche Branchenvertreter hoffen insgeheim auf Lockdowns wie in früheren Jahren, weil diese zumindest staatliche Hilfen brachten. Ein trauriger Gedanke, der zeigt, wie düster die Lage wirklich ist.






