Auf Bali ist ein Kampf im Gange, den die Touristen nicht sehen – jedenfalls nicht, solange sie zwischen den Baustellen hindurch zum nächsten Instagram-Spot hetzen. Die berühmten Reisterrassen, jene smaragdgrünen Landschaften, die seit Jahrzehnten auf Postkarten prangen, werden systematisch von Betonmischern und Baugerüsten verschlungen. Was früher Jahrtausende lang ein Symbol der balinesischen Lebensweise war, wird heute zur Rarität.
Der Bauboom ist schonungslos. Überall auf der Insel entstehen Hotels, Restaurants, Villen für wohlhabende Ausländer. Gleichzeitig staut sich der Verkehr auf den wenigen Straßen, die nicht gerade aufgerissen werden. Müll türmt sich an Straßenrändern auf – Plastik, das die Monsunregen ins Meer spülen. Die Infrastruktur hält mit dem Ansturm nicht Schritt. Ein einziger Tag mit Regen kann ganze Gegenden lahmlegen, weil die Kanalisation überfordert ist.
Doch der Widerstand regt sich. Lokale Bauern und Umweltschützer wehren sich gegen die Bebauung ihrer Felder. Sie sehen, wie ihre Söhne und Töchter nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten, weil es als weniger prestigeträchtig gilt als ein Job in einem Resort. Die Regierung der Provinz hat inzwischen erkannt, dass unkontrolliertes Wachstum auch für den Tourismus selbst eine Bedrohung darstellt – wer will schon in einer zugebauten, verdreckten Region Urlaub machen?
Erste Maßnahmen wurden eingeleitet: Verbote für neue Hotelentwicklungen in bestimmten Gebieten, strengere Umweltauflagen. Doch ob das ausreicht, um die Reisterrassen zu retten, bleibt fraglich. Der wirtschaftliche Druck ist enorm. Jedes Jahr kommen Millionen Touristen nach Bali, und jeder einzelne braucht ein Bett, eine Straße, einen Teller Essen.
Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob Bali sich verändern wird – das ist längst geschehen. Sondern ob die Insel rechtzeitig bremsen kann, bevor sie das wird, was ihre Besucher am wenigsten erwarten: ein Betonklumpen mit Palmenbäumen.






